24 May 2026, 14:18

"Wut. Jetzt fahren wir in den Westen" – Ein Film dreht die Ost-West-Perspektive um

MDR-Dok: 'Westdeutschland aus östlicher Perspektive darstellen - das ist ungewöhnlich'

"Wut. Jetzt fahren wir in den Westen" – Ein Film dreht die Ost-West-Perspektive um

Regisseur Matthias Schmidt präsentiert neuen Dokumentarfilm mit dem Titel „Wut. Jetzt fahren wir in den Westen“

Das Projekt bricht mit gängigen Erzählmustern, indem es Westdeutschland aus der Perspektive von Ostdeutschen und Menschen mit Migrationshintergrund betrachtet. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Identität, Wandel und Vernachlässigung in Nordrhein-Westfalen (NRW) – einer Region, die aufgrund ihrer industriellen Krisen oft mit dem Osten verglichen wird.

Der Film gibt Einheimischen, Zugewanderten aus der DDR und Menschen mit Migrationsgeschichte eine Stimme. Schmidt, Preisträger des Grimme-Preises, greift dabei auf eigene Erfahrungen zurück: 1989 besuchte er erstmals NRW und erhielt in Lüdenscheid das sogenannte „Begrüßungsgeld“.

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Sein Dokumentarfilm stellt die klassische Berichterstattung westdeutscher Journalisten über den Osten auf den Kopf. Stattdessen rückt er NRW in den Fokus – ein Bundesland, das er in puncto industriellen Niedergang und mangelnder Aufmerksamkeit mit Ostdeutschland vergleicht. Die Region, so Schmidt, werde im gesamtdeutschen Kontext oft als etwas heruntergekommen abgetan.

Die Interviews zeigen unterschiedliche Blickwinkel: Kerstin Buscha, ursprünglich aus Hoyerswerda, lebt zwar heute in NRW, doch das „wahre Zuhause“ bleibt für sie der Osten. Burak Yilmaz, ein in Duisburg-Marxloh aufgewachsener Deutschtürke, kritisiert hingegen die fehlenden Investitionen in seinem Viertel. Seine Frustration spiegelt die Herausforderungen wider, vor denen Migrant:innen in der Region stehen.

Auch Bonn wird thematisiert: Marion Scholl vom Bundespräsidialamt beschreibt die Stadt seit dem Regierungsumzug als jünger, entspannter und internationaler. Schmidt betont, dass die Einzigartigkeit des Ostens in seinem rasanten Wandel innerhalb kurzer Zeit liege – eine Erfahrung, die der Westen nie gemacht habe. Während Westdeutschland über Jahrzehnte durch Migration geprägt wurde, blieb dies der ehemaligen DDR weitgehend fremd.

Der Film ist ab sofort in der ARD-Mediathek verfügbar. Er zeigt NRW als eine Region im Ringen mit dem Wandel – ähnlich wie der Osten nach der Wiedervereinigung. Indem Schmidt die übliche Ost-West-Perspektive umkehrt, wirft sein Werk einen neuen Blick auf die Herausforderungen und Identitäten der deutschen Industriekerne.

Quelle