Wim Wenders' Falsche Bewegung löst neue Debatte über Sexualisierung von Minderjährigen aus
Jenny KühnertWim Wenders' Falsche Bewegung löst neue Debatte über Sexualisierung von Minderjährigen aus
Eine Debatte über Wim Wenders’ Film Falsche Bewegung aus dem Jahr 1975 ist wieder aufgeflammt, nachdem der Regisseur Nastassja Kinskis Bitte abgelehnt hatte, eine Szene zu entfernen, in der sie mit 13 Jahren halb entkleidet zu sehen ist. Die Kontroverse gewann an Fahrt, als Wenders in seiner Dankesrede bei den Deutschen Filmpreisen darauf einging. Nun wird das problematische Erbe des Films neu bewertet – besonders nach dessen jüngster Aufführung in Frankfurt im Rahmen einer Retrospektive seines Schaffens.
Kinski hatte jahrelang darauf gedrängt, die umstrittene Szene aus dem Film zu schneiden. Erst als Wenders ihre Bitte öffentlich zurückwies, fand ihr Anliegen größere Beachtung. Später entschuldigte er sich bei ihr und zog den Film aus dem Verleih zurück – doch die grundsätzlichen Fragen zu solchem Material bleiben unbeantwortet.
Die Diskussion beschränkt sich längst nicht mehr auf Wenders’ Fall. Brooke Shields, die in Pretty Baby ein 11-jähriges Kind callgirl spielte, beschrieb das Unbehagen, einen Film verteidigen zu müssen, der einst als „unmoralisch“ galt – obwohl sie ihn zu ihren besten Leistungen zählt. Jodie Foster hingegen sprach mit Humor und Gelassenheit über ihre Rolle in Taxi Driver mit 12 Jahren, ganz anders als Kinskis negative Erinnerungen.
Schauspielerinnen wie Natalie Portman, Dakota Fanning und Kirsten Dunst betonen die Bedeutung professioneller Standards und Respekt am Set. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass auch das Publikum Verantwortung für die Rezeption von Filmen trägt. Manche plädieren dafür, problematische Szenen zu kürzen, um die künstlerische Integrität zu wahren, andere bestehen auf der unangetasteten Originalfassung – selbst wenn deren Inhalt heute als unangemessen gilt. Forderungen nach Kennzeichnung oder Einordnung solcher Szenen gelten als vorübergehende Lösung, doch das eigentliche Problem bleibt: die Sexualisierung von Minderjährigen als solches ist falsch.
Wenders’ Entschuldigung und der Rückzug des Films haben die zentralen Bedenken nicht ausgeräumt. Die Debatte darüber, wie mit der Sexualisierung von Minderjährigen in älteren Filmen umzugehen ist, dauert an. Branchenvertreter wie Publikum ringen gleichermaßen mit den ethischen Konsequenzen solcher Werke und ihrem langfristigen Einfluss.






