16 March 2026, 12:18

Über 1.100 Intellektuelle verteidigen Freiheit gegen politische Einmischung in Kunst

Eine Wand mit gro├čen, schwarzen Graffiti, die "Freiheit und Demokratie" lesen, in einem Raum mit einem Gel├Ąnder unten und einem Geb├Ąude mit Fenstern im Hintergrund.

Offener Brief warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Über 1.100 Intellektuelle verteidigen Freiheit gegen politische Einmischung in Kunst

Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturfachleute haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die akademische und künstlerische Freiheit in Deutschland verteidigen. Der Vorstoß folgt auf eine hitzige Debatte um die Einladung der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif an die Kunstakademie Düsseldorf, die Vorwürfe des Antisemitismus und Forderungen nach einer Absage des Events auslöste. Prominente Unterstützer:innen wie der Fotograf Wolfgang Tillmans und die Philosophin Susan Neiman warnen, dass politische Einmischung ein gefährliches Präzedenzfall für die Meinungsfreiheit schaffen könnte.

Der Streit begann im Januar 2026, als al-Sharifs geplanter Auftritt an der Düsseldorfer Kunstakademie wegen ihrer Social-Media-Posts auf Kritik stieß. Gegner warfen ihr Antisemitismus vor, was zu Forderungen nach einer Abschaffung der Veranstaltung und einer Petition für den Rücktritt der Rektorin Donatella Fioretti führte. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) unterstützte die Kampagne gegen Fioretti und verschärfte so die Spannungen.

Eine spätere juristische Prüfung bestätigte, dass al-Sharifs Äußerungen nicht strafrechtlich relevant waren und unter den Schutz der Meinungsfreiheit fielen. Dennoch fand die Veranstaltung nur intern statt – aufgrund von Drohungen in sozialen Medien. Bis zum 16. März unterzeichneten über 1.100 Personen – darunter Historiker:innen, Philosoph:innen und Künstler:innen – einen offenen Brief, in dem sie Fioretti unterstützen und politische Druckausübung auf Kultureinrichtungen verurteilen.

Der Brief kritisiert die Verwendung von Begriffen wie Deckmantel im Landtag und argumentiert, dass eine solche Sprache grundlegende Freiheiten unberechtigt unter Generalverdacht stelle. Unter den Unterzeichnenden, zu denen Barbara Stollberg-Rilinger und Eva von Redecker gehören, wird betont, dass Artikel 5 des Grundgesetzes auch kontroverse Standpunkte schütze. Sie fordern die Abgeordneten auf, sich erneut zu den verfassungsmäßigen Freiheiten zu bekennen und Zensur abzulehnen.

Fioretti soll nun am kommenden Mittwoch vor einer Sondersitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtags aussagen. Die Autor:innen des Briefs warnen, dass eine Untergrabung institutioneller Verantwortungsträger:innen politische Einmischung in Kunst und Wissenschaft normalisieren könnte.

Der offene Brief stellt eine deutliche Gegenwehr gegen das dar, was die Unterzeichnenden als wachsende Bedrohung der Meinungsfreiheit in Deutschland wahrnehmen. Fiorettis anstehende Aussage wird die Debatte über künstlerische Freiheit und politischen Einfluss vermutlich weiter in den Fokus rücken. Der Streit zeigt jedenfalls die Spannungen zwischen dem Schutz der Meinungsfreiheit und öffentlichem Druck auf Kultureinrichtungen auf.

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