03 April 2026, 02:09

"Sünderwald" fällt der Kettensäge zum Opfer – trotz Protesten und Legenden

Schwarzes und wei├čes Foto eines Kohlebergbaus mit Geb├Ąuden, Masten und B├Ąumen im Hintergrund, darunter Text.

Was Sie über die Rückeroberung des 'Sündlichen Waldes' wissen müssen - "Sünderwald" fällt der Kettensäge zum Opfer – trotz Protesten und Legenden

Der "Sünderwald" – ein kleines Waldstück östlich des Hambacher Forstes – soll trotz Protesten gerodet werden. Das Gebiet, bekannt für lokale Sagen und seinen ökologischen Wert, liegt innerhalb des Tagebaus Hambach und genießt nicht den Schutz, der seinem größeren Nachbarn gewährt wurde. Die Behörden haben nun die Abholzung genehmigt und damit die Debatte über den Konflikt zwischen Industrie und Naturschutz in der Region neu entfacht.

Der Name des Waldes geht auf Dorflegenden zurück, nach denen sich dort einst junge Menschen heimlich trafen. Anders als der Hambacher Forst war er nicht vom "Braunkohle-Kompromiss" von 2020 erfasst, der den größeren Wald vor dem Abbau bewahrte. Nordrhein-Westfalen plant, die Braunkohleförderung bis 2030 zu beenden und die Tagebaue – darunter auch Hambach – zu künstlichen Seen zu fluten.

Im Januar entschied das Oberverwaltungsgericht Münster, dass die Rodung des "Sünderwalds" rechtmäßig sei. Das Gericht sah keine Verstöße gegen Artenschutzbestimmungen, insbesondere in Bezug auf die Bechsteinfledermaus. Der Energiekonzern RWE, der den Tagebau betreibt, besteht darauf, dass der Wald weichen muss, um Kies für die Stabilisierung der künftigen Seeufer abzubauen. Das Unternehmen behauptet, alle erforderlichen Umweltprüfungen und Genehmigungen lägen vor.

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Ab dem 1. Oktober war die Fällung der Bäume erlaubt, und die Stadt Kerpen verhängte ab dem 20. Oktober ein Betretungsverbot. Die Polizei setzte die Anordnung mit einem Großeinsatz durch. Kritiker werfen der Rodung vor, kommerzielle Interessen – etwa eine geplante Yacht-Marina – über den Erhalt eines funktionsfähigen Ökosystems zu stellen. Gleichzeitig wurde seit der Räumung des Hambacher Forstes vor fünf Jahren kein anderer von Aktivisten besetzter Wald in der Region auf diese Weise geräumt.

Jahrzehntelanger Braunkohleabbau hat der rheinischen Landschaft bereits tiefe Krater geschlagen. Der "Sünderwald" ist eines der letzten verbleibenden Waldstücke in einer von der Industrie geprägten Region. Seine Räumung markiert ein weiteres Kapitel im Wandel der Region von der Bergbau- zur Nachindustrielandschaft. Mit den rechtlichen Genehmigungen wird das Gebiet bald der Kiesförderung und der Entstehung des künftigen Sees weichen müssen. Die Entscheidung lässt Naturschützer und Anwohner über das Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen Plänen und ökologischer Bewahrung nachdenken.

Quelle