Provokante Körperkunst: La Parabole du Seum bricht Tabus bei den Wiener Festwochen
Jenny KühnertProvokante Körperkunst: La Parabole du Seum bricht Tabus bei den Wiener Festwochen
Ein mutiges neues Bühnenwerk: La Parabole du Seum feiert Premiere bei den Wiener Festwochen im Odeon
Unter der Regie von Rébecca Chaillon erkundet die Produktion das Leben und die Körper von Menschen, die sich als fett identifizieren. Die fast drei Stunden dauernde Inszenierung wird von sieben Schauspieler:innen getragen.
Die Vorstellung beginnt damit, dass die Darsteller:innen sich für ihre Körper entschuldigen. Anschließend spielen sie Szenen aus The Biggest Loser nach und setzen damit einen provokativen Ton. In goldener Unterwäsche führen sie im Verlauf der Aufführung groteske und absurde Handlungen aus: Sie bestreichen sich gegenseitig mit Gelee und wälzen sich auf dem Boden, stürzen sich in Fressgelage, wickeln sich in Alufolie oder posieren wie Bodybuilder:innen. Der Titel selbst spielt mit französischer Wortakrobatik und verweist sowohl auf eine „Parabel“ als auch auf eine „Satellitenschüssel“.
Chaillons Inspiration speist sich aus den Lebensgeschichten einer Popikone und einer Astrophysikerin aus ihrer eigenen stigmatisierten Banlieue. Zudem bezieht sich die Inszenierung auf Octavia Butlers Roman Parable of the Sower (Parabel vom Sämann). Die Regisseurin, die sich selbst als „schwarze, fette, kinderlose, alternde Lesbe“ beschreibt, nutzt das Stück, um Identität, Stigmatisierung und körperliche Selbstbestimmung zu erforschen.
Mit einer schonungslosen, ungeschönten Darstellung von Fettsein fordert die Produktion das Publikum heraus – eine Mischung aus Humor, Absurdität und tiefgründiger Reflexion über gesellschaftliche Wahrnehmungen. La Parabole du Seum ist ein markanter Höhepunkt im diesjährigen Festivalprogramm.






