Kölner Stadtarchiv-Einsturz 2009: Warum die juristische Aufarbeitung jetzt scheitert
Elisa GudeKölner Stadtarchiv-Einsturz 2009: Warum die juristische Aufarbeitung jetzt scheitert
Ein verheerender Einsturz im Jahr 2009 zerstörte das Kölner Stadtarchiv und begrub 1,7 Millionen historische Dokumente unter sich. Bei der Katastrophe riss ein Grundwasserkrater benachbarte Häuser in die Tiefe – zwei Menschen kamen ums Leben. Mehr als ein Jahrzehnt später ist die Baustelle immer noch nicht fertiggestellt, und die juristische Aufarbeitung wurde nun eingestellt.
Der Einsturz ereignete sich während des Baus der Nord-Süd-U-Bahn-Linie, die von den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) verantwortet wurde. Trotz fehlender Erfahrung mit derart großen Projekten hatte die KVB die Leitung inne. Spätere Ermittlungen brachten ans Licht, dass kritische Stahlträger vor der Katastrophe gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren.
Zwei junge Männer starben in den angrenzenden Häusern, als der Boden nachgab und das Archiv verschlang. Der Verlust war immens: Ein Drittel der geborgenen Dokumente gilt als unwiederbringlich verloren, und die Restaurierungsarbeiten werden voraussichtlich erst 2050 abgeschlossen sein.
2022 brachte der Künstler Reinhard Matz mit "Klagelied in acht Tafeln" eine visuelle Chronik des Einsturzes an den Bauzaun an. Die Stelle selbst bleibt eine offene Wunde – erst 2023 wurde sie teilweise mit Beton verfüllt. Währenddessen schreiten die Arbeiten an der U-Bahn voran; die neue Strecke soll die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen.
Die Initiative ArchivKomplex kämpft seit 2011 für Mitsprache bei den Wiederaufbauplänen und eine würdige Gedenkstätte. Doch 2024 wurden die juristischen Verfahren wegen Verfahrensfehlern und der nur mittelbaren Verantwortung der Angeklagten eingestellt.
Der Einsturz hinterließ eine tiefe Narbe in Kölns Geschichte und Infrastruktur. Mit Restaurierungsarbeiten bis 2050 und der nun geschlossenen juristischen Aufarbeitung steht die Stadt vor der Frage, wie sie der verlorenen Archive und Menschen gedenken soll. Die U-Bahn jedoch fährt voran – sie bringt schnellere Verbindungen, doch wenig Aufarbeitung der Vergangenheit.






