Bürgergeld-Reform 2026: Strengere Regeln und neue Hürden für Langzeitarbeitslose
Jenny KühnertFür fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Bürgergeld-Reform 2026: Strengere Regeln und neue Hürden für Langzeitarbeitslose
Der Bundestag hat eine weitreichende Sozialreform beschlossen, die das Bürgergeld ab dem 1. Juli 2026 durch ein strengeres System ersetzen wird. Die neuen Regelungen sehen schärfere Auflagen für Langzeitarbeitslose vor, darunter mögliche Kürzungen der Leistungen bei mangelnder Mitwirkung. Eine aktuelle Umfrage unterstreicht die Schwierigkeiten, mit denen viele Bezieher bereits jetzt bei der Jobsuche konfrontiert sind.
Zwischen dem 15. April und 18. Juni 2025 befragte die Bertelsmann Stiftung über 1.000 arbeitslose Menschen im Alter von 25 bis 50 Jahren, die mindestens seit einem Jahr Bürgergeld erhielten. Die Ergebnisse zeigten, dass 46 Prozent mit mehreren Hürden auf dem Weg in den Arbeitsmarkt kämpften – etwa gesundheitlichen Problemen oder fehlenden Qualifikationen.
Die Umfrage offenbarten zudem gemischte Bewertungen der Unterstützung durch die Jobcenter. Zwar wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sachen Kompetenz und Leistung gut benotet, doch fast die Hälfte der Befragten gab an, dass die Besuche ihre Jobchancen nicht verbessert hätten. Die Stiftung empfahl daher eine stärkere individuelle Betreuung, gezielte Qualifizierungsmaßnahmen und direkte Arbeitsplatzangebote für besonders Benachteiligte.
Unter dem bisherigen Bürgergeld-System, das im Februar 2023 eingeführt worden war, lag die Vermittlungsquote bei Langzeitarbeitslosen bei etwa 45 bis 50 Prozent. Dies stellte eine leichte Verbesserung gegenüber dem früheren Hartz-IV-System (2005–2017) dar, in dem die Quote bei 35 bis 45 Prozent gelegen hatte – auch bedingt durch die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie.
Die Reform verpflichtet die Jobcenter nun, stärker auf eigeninitiative Stellensuchen zu drängen, selbst wenn dies die Zufriedenheit mit der Betreuung mindert. Menschen ohne gravierende Vermittlungshemmnisse werden künftig unter größeren Druck geraten, sich selbstständig um Arbeit zu bemühen.
Ab Mitte 2026 gelten für Leistungsbezieher verschärfte Bedingungen. Wer den Auflagen zur Arbeitsplatzsuche nicht nachkommt, muss mit Kürzungen rechnen. Gleichzeitig sollen die Jobcenter ihren Fokus auf gezielte Förderung für Personen mit erheblichen Beschäftigungsbarrieren legen.