Wahlberichterstattung 2025: Bürgerfragen statt Politiker im Fokus der Medien
Mara VogtWahlberichterstattung 2025: Bürgerfragen statt Politiker im Fokus der Medien
Ein neuer Ansatz zur Wahlberichterstattung wurde bei den Bundestags- und Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 2025 in ganz Deutschland erprobt. Statt sich auf Politiker zu konzentrieren, rückt diese Methode die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt der Berichterstattung. Das Projekt mit dem Namen "Eure Stimme. Eure Themen" umfasste 28 unabhängige Redaktionen, die gemeinsam mit CORRECTIV.StartHub das Modell in fünf Bundesländern testeten.
Inspiriert wurde die Initiative vom "Citizen's Agenda"-Modell aus den USA. Ziel war es, die Wahlberichterstattung weg von politischen Akteuren und hin zu den Fragen und Prioritäten der Wähler zu lenken. Sechs lokale Redaktionen erprobten den Ansatz erstmals bei den Wahlen 2024 und 2025 in Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen.
Der Prozess begann sechs bis vier Monate vor dem Wahltag: Die Redaktionen verpflichteten sich frühzeitig, setzten klare Ziele und starteten Maßnahmen zur Bürgerbeteiligung. Drei bis vier Monate vor der Wahl sammelten sie direkt in den Gemeinden Fragen und Sorgen der Bevölkerung.
Zwei bis drei Monate vor der Abstimmung prägten die gesammelten Beiträge die Wahlagenda. In den letzten Wochen lag der Fokus der Berichterstattung auf diesen bürgergetriebenen Themen. Am Wahltag selbst orientierte sich die Berichterstattung an den von den Einwohnerinnen und Einwohnern gesetzten Schwerpunkten.
Nach Schließung der Wahllokale evaluierte das Team den Prozess und lotete Möglichkeiten aus, die Bürgerbeteiligung über die Wahl hinaus aufrechtzuerhalten. Zudem entstand ein praktischer Leitfaden, der anderen Redaktionen helfen soll, diesen partizipativen Ansatz zu übernehmen.
Das Projekt zeigte, wie Wahlberichterstattung die Wähler statt die Kandidaten in den Vordergrund stellen kann. Der von CORRECTIV.StartHub erstellte Leitfaden bietet nun eine Anleitung für Redaktionen, die das Modell nachahmen möchten. Bei künftigen Wahlen könnten mehr Medienhäuser diesen Ansatz übernehmen, um die Anliegen der Bevölkerung besser widerzuspiegeln.






