Verbotene Kosmetik: Wie gefährliche Chemikalien trotz EU-Regeln auf den Markt gelangen
Juan AdlerVerbotene Kosmetik: Wie gefährliche Chemikalien trotz EU-Regeln auf den Markt gelangen
Die EU geht gegen schädliche Chemikalien in Kosmetik vor – doch verbotene Produkte gelangen weiterhin auf den Markt. Eine aktuelle Untersuchung deckte auf, dass illegale Artikel auf großen Handelsplattformen angeboten werden, darunter auch bekannte Marken wie Nivea und Schwarzkopf. Obwohl in den letzten zehn Jahren Tausende Produkte aus den Regalen genommen wurden, sehen sich die Behörden wachsenden Herausforderungen gegenüber, da täglich neue Kosmetikartikel auf den Markt kommen.
2025 prüfte die Europäische Kommission über 1,6 Millionen Websites und entdeckte dabei mehr als 20.000 illegale Kosmetikprodukte. Viele davon waren auf großen Online-Händlern gelistet – trotz EU-weiter Verbote. Das Rechercheteam von CORRECTIV kaufte sogar drei verbotene Artikel, darunter einen Nivea-Rasierschaum mit dem Inhaltsstoff BMHCA, der über Amazon erhältlich war.
Tests in Deutschland zeigen, dass die Risiken weiterhin bestehen. Die Behörden untersuchen jährlich rund 10.000 Proben, wobei nicht alle einer vollständigen chemischen Analyse unterzogen werden. Ein Tube Schwarzkopf-Glitzer-Haargel, das Mitte März erworben wurde, enthielt etwa Lilial – einen verbotenen Duftstoff, der mit Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht wird. Auch andere bedenkliche Substanzen wie PFAS (auch "Ewigkeitschemikalien" genannt) und Hydrochinon, ein wahrscheinlicher Krebserreger in Hautaufhellungsprodukten, wurden in gemeldeten Kosmetikartikeln nachgewiesen.
Das Ausmaß des Problems wächst stetig. Täglich kommen 800 neue Kosmetikprodukte auf den europäischen Markt, hinzu zu den bereits verfügbaren 600.000. Gleichzeitig wird die EU-Liste der "besorgniserregenden Stoffe" immer länger, was darauf hindeutet, dass weitere Inhaltsstoffe versteckte Gefahren bergen könnten. Um diese Lücken zu schließen, stimmen die Abgeordneten am 15. April 2026 über die "Chemikalien-Omnibus"-Novelle ab, die die Verkaufsfrist für bestimmte verbotene Produkte verlängern könnte.
In den letzten zehn Jahren wurden über 4.000 Kosmetikprodukte wegen Gesundheitsrisiken vom EU-Markt genommen. Trotz strengerer Kontrollen erreichen illegale Waren weiterhin Verbraucher:innen – oft über Online-Verkäufe. Die anstehende Abstimmung über die Chemikalien-Omnibus-Novelle könnte die Handhabung verbotener Produkte neu regeln. Bis dahin müssen Behörden und Hersteller jedoch mit einer schnelllebigen Branche und anhaltenden Sicherheitsbedenken umgehen.






