Skandal um Biennale Venedig: Boykott, Rücktritte und neue "Besucher-Löwen"
Mara VogtSkandal um Biennale Venedig: Boykott, Rücktritte und neue "Besucher-Löwen"
Die 61. Biennale von Venedig hat unter dem Motto „In Moll“ mit 100 Nationalpavillons und 111 teilnehmenden Künstlern ihre Tore geöffnet. Die bis zum 22. November 2025 laufende Ausstellung sorgt für Kontroversen, nachdem die internationale Jury einen Boykott von Ländern ankündigte, deren Führungspersonen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigt werden.
Betroffen sind Israel und Russland – eine Entscheidung, die Rücktritte auslöste und das Preisvergabeverfahren veränderte. Ursprünglich hatte die Jury erklärt, die Pavillons beider Länder nicht zu bewerten. Daraufhin traten alle fünf Jurymitglieder zurück. In der Folge wurden die Goldenen Löwen verschoben und stattdessen neue „Besucher-Löwen“ (Visitors’ Lions) eingeführt.
Sowohl die Biennale-Stiftung als auch die italienische Regierung lehnten den Boykott ab. Trotz der Debatte bleiben beide Länder Teil der Ausstellung. Der israelische Beitrag „Rose of Nothingness“ (dt. „Rose des Nichts“) wird von Michael Gov kuratiert, mit Avital Bar-Shay und Sorin Heller sowie dem Künstler Belu-Simion Fainaru. Der russische Pavillon „The Tree Is Rooted in the Sky“ (dt. „Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel“) zeigt rund 40 Künstler und steht unter der Leitung von Anastasiia Karneeva.
Portugals Beitrag „RedSkyFalls“ des Künstlers Alexandre Estrela ist im Palazzo Fondaco Marcello zu sehen. Estrela positionierte sich öffentlich gegen die Teilnahme Russlands und Israels. Daneben präsentieren auch Brasilien und Osttimor Werke und stärken so die lusophone Präsenz auf der Biennale.
Die Ausstellung läuft noch bis Ende 2025 – doch der Boykott und die Rücktritte haben die Preisvergabe nachhaltig verändert. Statt der traditionellen Goldenen Löwen werden nun die „Besucher-Löwen“ vergeben. Trotz der anfänglichen Haltung der Jury und anhaltender Proteste einiger Künstler bleiben die Beiträge Israels und Russlands weiterhin Teil der Schau.






