NRW verschärft Regeln gegen wachsende Gewalt an Schulen mit neuen Lehrer-Befugnissen
Mara VogtNRW verschärft Regeln gegen wachsende Gewalt an Schulen mit neuen Lehrer-Befugnissen
Nordrhein-Westfalen führt schärfere Maßnahmen ein, um die steigende Gewalt an Schulen zu bekämpfen. Ein neuer Gesetzentwurf des Bildungsministeriums soll Lehrkräften und Schulleitungen erweiterte Befugnisse geben, um störende Schülerinnen und Schüler aus dem Unterricht zu entfernen. Der Schritt folgt auf einen deutlichen Anstieg gemeldeter Vorfälle, wobei Schulleiterinnen und Schulleiter von einer Verschärfung der Lage in den vergangenen fünf Jahren berichten.
Zwischen 2021 und 2025 stiegen die gewalttätigen Zwischenfälle an Schulen des Landes um etwa 25 Prozent – von rund 12.000 auf 15.000 Fälle pro Jahr. Dieser Anstieg übertrifft den Bundesschnitt von 15 Prozent und liegt höher als in Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg. Sowohl Polizeistatistiken als auch Ministeriumsdaten bestätigen den Trend und veranlassen die Landesregierung zum Handeln.
Nach den geplanten Reformen erhalten Schulen mehr Handlungsmöglichkeiten bei Störungen. Lehrkräfte können Schülerinnen und Schüler vorrübergehend in eine andere Klasse versetzen oder für bis zu zwei Tage vom Unterricht ausschließen. In schweren Fällen dürfen sie bis zu vier Wochen lang vom Unterricht, bestimmten Fächern oder schulischen Veranstaltungen ausgeschlossen werden. Schulleitungen erhalten zudem die Befugnis, bei akuten Gefahren für Personen oder erheblichen Störungen des Schulbetriebs sofort einzugreifen.
Das Ministerium betont, dass jede Krise eine maßgeschneiderte Lösung erfordert, da es keine Patentrezepte gibt. Schulen haben bereits Schritte unternommen, um die Sicherheit zu verbessern – etwa durch das 2022 gestartete NRW-Schulgewaltprogramm. Diese Initiative stellt Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter an 80 Prozent der weiterführenden Schulen bereit, bietet Deeskalationstrainings für über 50.000 Lehrkräfte an und fördert Gewaltpräventions-Apps wie Schule sicher, die in Zusammenarbeit mit Polizei und Jugendämtern entwickelt wurden.
Umfragen zeigen das Ausmaß des Problems: 73 Prozent der Schulleiterinnen und Schulleiter in Nordrhein-Westfalen berichteten in den letzten fünf Jahren von Gewalt gegen Lehrkräfte, in 43 Prozent der Fälle handelte es sich um körperliche Angriffe. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass die Gewalt zugenommen habe – bundesweit waren es 60 Prozent. Die Reformen zielen darauf ab, Schulen klarere rechtliche Instrumente an die Hand zu geben, um diesen Herausforderungen zu begegnen.
Die neuen Regeln erweitern sowohl pädagogische Maßnahmen als auch disziplinarische Schritte und machen sie präziser. Schulen erhalten damit mehr Flexibilität, um schnell auf Bedrohungen oder Störungen zu reagieren. Die Landesregierung hofft, dass diese Änderungen helfen, die Gewalt einzudämmen und die Sicherheit für Schülerinnen, Schüler sowie das Personal zu verbessern.






