Mozarts Così fan tutte wird in Wiesbaden zur realen Liebesprobe
Das Staatstheater Wiesbaden wagt in dieser Spielzeit ein mutiges Experiment mit Mozarts Così fan tutte. Statt einer klassischen Inszenierung wird die Oper als Echtzeit-Beziehungsstudie aufgeführt – mit 20 jungen Paaren, die Teil der Vorstellung werden. Das Publikum erlebt live, wie die Teilnehmer auf der Bühne Liebe, Vertrauen und Täuschung durchleben.
Schon bevor sich der Vorhang hebt, beginnt das Spektakel: Die Paare werden hinter der Bühne in das Geschehen gezogen, wo Kostüme, geflüsterte Anweisungen und flüchtige Blicke die übliche Grenze zwischen Darstellern und Zuschauern aufbrechen. Regie führt Marie-Ève Signeyrole, die die Oper neu interpretiert, um die Emotionen des Publikums herauszufordern – und den Fokus auf dessen eigene Reaktionen zu lenken.
Die Bühne verwandelt sich in eine Kunstschule, das Publikum in Studierende, die die Paare beobachten. Vorkenntnisse der Oper sind nicht nötig – nur Mut und die Bereitschaft, sich einzulassen. Trotz des günstigen Ticketpreises von 10 Euro beschreibt das kreative Team die Inszenierung als ein Wagnis: Mozarts Musik trifft hier auf ungeschönte, ungeskriptete menschliche Interaktion.
Signeyroles Vision sprengt die Grenzen des traditionellen Opernbetriebs. Indem echte Beziehungen ins Rampenlicht rücken, zwingt die Aufführung sowohl Teilnehmer als auch Zuschauer, sich mit Fragen von Treue, Versuchung und Selbsterkenntnis auseinanderzusetzen. Das Ergebnis ist ein dynamischer, unberechenbarer Abend, an dem die Grenze zwischen Kunst und Realität verschwimmt.
Das Experiment lädt Paare ein, sich ins Ungewisse zu stürzen – geleitet nur von ihren Instinkten und den Themen der Oper. Die Tickets bleiben erschwinglich, doch das Erlebnis verspricht alles andere als gewöhnlich zu werden. Für die Beteiligten könnte die Vorstellung noch lange nachklingen, wenn der letzte Ton verklungen ist.






