HKM in Duisburg kämpft um Überleben zwischen Jobabbau und grüner Stahlproduktion
Jenny KühnertHKM in Duisburg kämpft um Überleben zwischen Jobabbau und grüner Stahlproduktion
Die Zukunft des Hüttenwerks Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg, eines historischen Stahlwerks, steht auf dem Spiel, während tiefgreifende Veränderungen bevorstehen. Nach 116 Jahren Betrieb sieht sich das einst unabhängige Werk nun mit Stellenabbau, der Stilllegung von Hochöfen und einem ungewissen Übergang zu umweltfreundlicherer Produktion konfrontiert. Die Belegschaft hat bereits mit Protesten begonnen – die Angst vor wirtschaftlicher Not wächst, da in den kommenden Jahren fast 2.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen.
HKM, das heute von seinen Gesellschaftern Thyssenkrupp (50 Prozent), Salzgitter Mannesmann (30 Prozent) und Vallourec (20 Prozent) kontrolliert wird, verliert seinen Liefervertrag mit Thyssenkrupp drei Jahre früher als geplant. Die beiden veralteten Hochöfe des Werks werden abgeschaltet und durch eine klimafreundlichere Anlage ersetzt. Rund 1.000 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben, doch die langfristige Produktionskapazität des Standorts bleibt unklar.
Thyssenkrupp, der Mehrheitseigner, drängt auf einen möglichst schnellen Ausstieg aus HKM. Gleichzeitig haben Salzgitter AG und Thyssenkrupp vereinbart, 200 Millionen Euro in einen Lichtbogenofen an einem anderen Standort zu investieren, um "grünen Stahl" zu produzieren. Dieser Schritt spiegelt einen europäischen Trend wider, bei dem Deutschland und Schweden die Wasserstoff-basierte Stahlproduktion vorantreiben. Projekte wie das wasserstoffbetriebene Walzwerk von Stegra in Schweden oder das Werk Sestao des Konzerns ArcelorMittal in Spanien zielen auf nahezu emissionsfreie Produktion ab – doch hohe Energiekosten haben einige deutsche Initiativen ausgebremst.
Trotz der EU-Politik zur Förderung von klimaneutralem Stahl gestaltet sich der Wandel bei HKM schwierig. Die Belegschaft hat Warnstreiks organisiert und fordert ein Sozialplanabkommen, um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern. Das Werk, das derzeit über vier Millionen Tonnen Stahl pro Jahr produziert, könnte sich komplett neu erfinden müssen, um zu überleben.
Die Umstrukturierung bei HKM wird sowohl die Belegschaft als auch die Produktionsmethoden grundlegend verändern. Während veraltete Öfen schrittweise abgeschaltet und durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt werden, hängt das Überleben des Werks von seiner Anpassungsfähigkeit ab. Im Moment liegt der Fokus darauf, die verbleibenden 1.000 Arbeitsplätze zu sichern – in einer Zeit industrieller Unsicherheit.