Förderstopp für Antirassismus-Projekte an Schulen: Hunderte Initiativen kämpfen ums Überleben
Jenny KühnertFörderstopp für Antirassismus-Projekte an Schulen: Hunderte Initiativen kämpfen ums Überleben
Hunderte von Antirassismus- und Demokratieprojekten an deutschen Schulen stehen vor abrupten Kürzungen ihrer Fördergelder bis Ende des Jahres. Die Entscheidung hat Pädagogen und Nichtregierungsorganisationen in Alarmbereitschaft versetzt – viele Initiativen verlieren ihre finanzielle Unterstützung. Betroffen ist auch Felix Bjerke, ein Lehrer, dessen Schule auf diese Programme angewiesen ist, um Diskriminierung und Extremismus entgegenzuwirken.
Felix Bjerke leitet an seiner Schule das Programm "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage", wo fast 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund haben. In seinen Workshops geht es um Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Verschwörungstheorien und die Prävention von Extremismus. Doch nun verlieren Partner wie 180 Grad Wende und Transaidency, die seine Arbeit unterstützen, ihre Bundesförderung.
Die Kürzungen betreffen nicht nur Bjerkes Schule. Rund 200 Initiativen und NGOs sehen sich mit dem Wegfall ihrer Mittel konfrontiert, darunter auch langjährige Projekte wie das Kölner Demokratiefestival. Besonders betroffen sind Programme in Ostdeutschland, wo rechtsextreme Tendenzen zunehmen.
Bildungsministerin Karin Prien rechtfertigte die Änderungen mit der Begründung, das Programm sei zu linksliberal geworden. Ihre Entscheidung hat jedoch Widerstand ausgelöst: Ein Bündnis von Organisationen startete eine Petition unter dem Titel "Schulen stellen sich quer". Die Kampagne fordert die Politiker auf, die Unterstützung für Lehrkräfte im Kampf gegen Hass und Diskriminierung wiederherzustellen.
Der Förderstopp hat zudem die Debatte über politische Neutralität im Unterricht neu entfacht. Lehrkräfte stehen nun vor größerer Unsicherheit, welche Themen sie im Unterricht ansprechen dürfen – und welche nicht.
Ohne die Mittel müssen Schulen ihre Antirassismus- und Demokratieprojekte zurückfahren oder ganz einstellen. Initiativen wie die von Bjerke, die besonders diverse Schülerschaften erreichen, sind nun gezwungen, nach alternativen Finanzquellen zu suchen. Bleibt es bei den Kürzungen, entstehen Lücken in der Extremismusprävention und bei der Förderung von Inklusion.






