Erzbistum Paderborn vertieft Missbrauchsaufarbeitung – Fokus auf Kardinal Degenhardt
Elisa GudeBischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn vertieft Missbrauchsaufarbeitung – Fokus auf Kardinal Degenhardt
Das Erzbistum Paderborn hat zugesagt, seine Untersuchungen zu historischen Fällen sexuellen Missbrauchs zu vertiefen – mit besonderem Fokus auf den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt. Dies folgt auf einen Bericht aus dem Jahr 2023, der 489 Vorfälle zwischen 1941 und 2002 untersuchte, an denen 210 beschuldigte Täter beteiligt waren. Bischof Udo Markus Bentz hat sich öffentlich bei den Opfern entschuldigt und die Ergebnisse als Beleg für ein institutionelles Versagen bezeichnet.
Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Deutschlands war erstmals 2010 ans Licht gekommen. Seitdem hat allein das Erzbistum Paderborn 93 Millionen Euro an Entschädigungen an Überlebende gezahlt. Dennoch kritisieren Beobachter, dass es bei der finanziellen Transparenz und strukturellen Reformen nur begrenzte Fortschritte gebe.
Eine im Auftrag des Bistums erstellte Studie deckte über sechs Jahrzehnte hinweg systematischen Missbrauch auf. Zwar stufte der 2023 von der Kanzlei Feigen und Graf vorgelegte Bericht die Vorwürfe gegen Degenhardt als nicht glaubwürdig ein, doch hält der Druck an, seine Rolle erneut zu prüfen. Reinhold Harnisch, Sprecher der Opfer, unterstützt Forderungen, Straßen umzubenennen, die nach Kardinal Degenhardt und Kardinal Jaeger benannt sind – beide stehen im Verdacht, Missbrauch vertuscht zu haben.
Die Entschuldigung von Bischof Bentz wurde von Harnisch als Schritt zur Wiederherstellung der Würde der Opfer begrüßt. Das Bistum hat versprochen, die unabhängigen Ermittlungen fortzusetzen, doch bleiben umfassendere Reformen in der Kirche weiter aus.
Das Erzbistum Paderborn sieht sich nun wachsenden Forderungen nach Rechenschaftslegung gegenüber. Mit bereits 93 Millionen Euro an Entschädigungen rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob weitere Untersuchungen zu spürbaren Veränderungen führen werden. Sowohl der Umgang der Kirche mit den Missbrauchsfällen der Vergangenheit als auch ihre Reaktion auf anhaltende Kritik bleiben unter genauer Beobachtung.