Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft mit sinkenden Verkaufszahlen und setzt auf Digitalisierung
Elisa GudeDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft mit sinkenden Verkaufszahlen und setzt auf Digitalisierung
Düsseldorfs "fiftyfifty", das von obdachlosen Verkäufer:innen vertriebene Magazin, verzeichnet seit Jahren einen deutlichen Rückgang der Verkaufszahlen. Die monatliche Auflage ist von einst 40.000 Exemplaren auf unter 12.000 gesunken. Um die steigenden Kosten zu decken, hat die Redaktion den Verkaufspreis nun auf 3,40 Euro angehoben.
Der Niedergang des Magazins spiegelt die allgemeinen Schwierigkeiten der Printmedien wider. Eine branchenweite Krise in Kombination mit wachsender Ablehnung gegenüber den Verkäufer:innen – insbesondere denen mit Migrationshintergrund – hat die Absatzzahlen stark belastet. Für viele Obdachlose ist "fiftyfifty" nicht nur eine Einnahmequelle, sondern auch ein Symbol für Würde und gesellschaftliche Teilhabe.
Um sich anzupassen, führte das Magazin eine digitale Version ein: *"fiftyfifty-ObdachLOS", die wie eine Rubbellotterie funktioniert.** Die Verkäufer:innen erhalten weiterhin die Hälfte des Verkaufspreises – damit bleibt das Grundprinzip fairer Verdienstmöglichkeiten erhalten. Daneben finanziert die Publikation soziale Projekte durch Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie, zusätzlich zu den Erlösen aus dem Verkauf.
Über die finanzielle Unterstützung hinaus dient "fiftyfifty" als Sprachrohr für Obdachlose. Das Magazin rückt das Thema Obdachlosigkeit in den öffentlichen Fokus und schafft direkte Begegnungen zwischen Verkäufer:innen, Leser:innen und der Gesellschaft. Gleichzeitig deckt es Diskriminierungserfahrungen auf und macht auf Ungerechtigkeiten aufmerksam, mit denen Menschen auf der Straße konfrontiert sind.
Auch andere deutsche Straßenmagazine wie das "Straßenmagazin" sind ähnliche Wege gegangen. Zwar gibt es kaum genaue Zahlen zu hybrid gedruckt-digitalen Modellen, doch der Wandel zeigt eine branchenweite Reaktion auf den Absatzrückgang der letzten fünf Jahre.
Die Preiserhöhung auf 3,40 Euro soll "fiftyfifty" in Zeiten finanzieller Engpässe stabilisieren. Das Magazin bleibt für obdachlose Verkäufer:innen eine wichtige Einnahmequelle, gibt ihnen Sichtbarkeit und dient als Plattform für gesellschaftliches Engagement. Mit der digitalen Erweiterung und sozialen Initiativen sichert es sich seinen Platz in einer sich wandelnden Medienlandschaft.