18 April 2026, 04:09

Dichand übernimmt Funke-Anteile: Kronen Zeitung wird zur reinen Familiensache

Titelblatt einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939, betitelt mit "Weitpreubliche Zeitung", das eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung in einer feierlichen Umgebung zeigt.

Dichand übernimmt Funke-Anteile: Kronen Zeitung wird zur reinen Familiensache

Christoph Dichand hat die Zustimmung erhalten, die Anteile der Funke-Mediengruppe an Mediaprint zu übernehmen. Dieser Schritt bringt die Kronen Zeitung näher an eine vollständige Familienkontrolle. Die Transaktion markiert eine bedeutende Verschiebung in der österreichischen Medienlandschaft, in der die Auflagen von Printmedien seit Jahren rückläufig sind.

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Die Übernahme erfüllt zudem einen langgehegten Wunsch des verstorbenen Hans Dichand, der die Zeitung 1959 mit deutscher Unterstützung gründete. Die Kronen Zeitung startete 1959, ins Leben gerufen von Hans Dichand mit finanzieller Rückendeckung des deutschen Verlegers Kurt Falk. Falk hielt bis 1987 einen 50-Prozent-Anteil, bis die Familie Dichand die Kontrolle ausbaute. Christoph Dichand erbte später den Anteil seines Vaters – und dessen Misstrauen gegenüber deutschen Miteigentümern.

Mediaprint entstand 1988 als Joint Venture zwischen der Kronen Zeitung, dem Kurier und der deutschen WAZ-Gruppe. Die WAZ selbst hatte ihre Wurzeln in Bochum, wo der Journalist Jakob Funke, Sohn eines Krupp-Schlossers, sie 1948 gründete. Über Jahrzehnte wuchs sie zur größten Regionalzeitung Deutschlands heran und prägte die Medienlandschaft über die Landesgrenzen hinaus.

Doch Mediaprint stand stets in der Kritik wegen seiner Struktur und seines Einflusses. Die Raiffeisen-Gruppe, die mit der österreichischen ÖVP verbunden ist, hält einen bedeutenden Anteil am Kurier und wurde wiederholt vorgeworfen, redaktionellen Einfluss nehmen zu wollen. Gleichzeitig berief das Wiener Burgtheater zweimal Intendanten vom Bochumer Schauspielhaus – 1986 Claus Peymann und 2009 Matthias Hartmann –, was die kulturellen Verbindungen zwischen den beiden Regionen unterstreicht.

Angesichts des Aufstiegs digitaler Medien und des Niedergangs der Printbranche bleibt die Zukunft von Mediaprint ungewiss. Die vollständige Übernahme der Kronen Zeitung durch die Familie Dichand würde Jahrzehnte deutscher Beteiligung beenden und die Kontrolle unter einer österreichischen Dynastie vereinen.

Der Rückzug der Funke-Gruppe folgt auf Jahre finanzieller Belastungen. Wird der Deal finalisiert, liegt die Kronen Zeitung künftig ganz in den Händen der Familie Dichand – und erfüllt damit Hans Dichands ursprüngliche Vision. Die Übernahme verschiebt die österreichische Medienlandschaft weiter in Richtung heimischer Eigentumsverhältnisse. Angesichts schrumpfender Print-Erlöse wird die nächste Herausforderung für die Kronen Zeitung sein, sich im digitalen Wettbewerb zu behaupten. Gleichzeitig bricht der Deal eine historische deutsche Verbindung ab, die mit der Gründung der Zeitung vor über sechs Jahrzehnten begann.

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