Antisemiten vs. Zionazis: Warum Jan Böhmermanns Misserfolg spektakulär war - Chefket-Konzert in Berlin nach Antisemitismus-Vorwürfen abgesagt
Ein geplantes Konzert des deutschen Rappers Chefket im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) wurde nach einer Kontroverse um seine Social-Media-Beiträge abgesagt. Die Veranstaltung, die Teil einer von Jan Böhmermann kuratierten Reihe war, löste Empörung aus, nachdem Chefket Fotos eines T-Shirts mit einer Karte der israelisch-palästinensischen Region geteilt hatte – ohne Israel. Kritiker warfen ihm Antisemitismus vor, woraufhin die Organisatoren die Einladung zurückzogen.
Auch andere Künstler, die für dieselbe Reihe vorgesehen waren, sagten ihre Auftritte ab. Sie begründeten dies mit Unbehagen über den Umgang des HKW mit dem Gaza-Konflikt und der allgemeinen politischen Lage.
Chefkets Ausschluss von der Veranstaltung mit dem Titel "Die Möglichkeit der Irrationalität" folgte auf öffentliche Empörung über seine Instagram-Posts. Die Abbildungen, auf denen Israel fehlte, führten zu Antisemitismus-Vorwürfen, unter anderem von der Bild-Zeitung, die ihn als "bekannt für extrem antiisraelische Motive" bezeichnete. Kulturminister Wolfram Weimer verurteilte die Posts als Provokation und betonte, Antisemitismus dürfe nicht toleriert werden.
Trotz der Kontroverse enthalten Chefkets Musik und frühere öffentliche Äußerungen keine explizite Billigung extrem antiisraelischer oder antisemitischer Positionen. Der Journalist Claudius Seidl von der Süddeutschen Zeitung argumentierte jedoch, der Rapper bestreite Israels Existenzrecht. Andere warnten, überzogene Schuldzuweisungen könnten eine differenzierte Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven verhindern.
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Kontroversen um Künstler mit polarisierenden politischen Ansichten ein. So steht etwa Xavier Naidoo seit 2023 wegen seiner Verbindungen zu Verschwörungstheorien in der Kritik – darunter Reichsbürger-Ideologien, die Leugnung der Anschläge vom 11. September und mutmaßlicher Rassismus. Zwar entschuldigte er sich 2022 und distanzierte sich von einigen früheren Aussagen, doch 2026 befeuerte er die Debatten neu, indem er neue Verschwörungserzählungen über rituelle Kindermorde und Anti-Aging-Produkte verbreitete. Seine Rhetorik findet Zustimmung bei rechtsextremen Akteuren wie dem AfD-Politiker Stephan Protschka, während Kritiker seine Ansichten weiterhin als rassistisch und antisemitisch brandmarken.
Die Absage von Chefkets Konzert ist ein weiteres Beispiel dafür, wie politische Auseinandersetzungen kulturelle Veranstaltungen beeinflussen. Das HKW sieht sich nun mit Fragen zu seinem Kuratierungsprozess und dem Umgang mit Kontroversen um eingeladene Künstler konfrontiert. Unterdessen bleibt die grundsätzliche Debatte über Meinungsfreiheit, Antisemitismus und die Grenzen künstlerischer Provokation ungelöst.






