28 April 2026, 02:10

Bunte Leichenwagen erobern Europas Bestattungskultur und brechen mit Traditionen

Schwarzer und weißer Trauerzug mit einem Leichenwagen, der den Körper eines Mannes trägt, umgeben von Menschen mit Waffen und Fahrzeugen, mit Gebäuden und Schildern im Hintergrund.

Bunte Leichenwagen erobern Europas Bestattungskultur und brechen mit Traditionen

Leichenwagen sind nicht mehr nur schwarz – in ganz Europa bieten Bestattungsunternehmen mittlerweile Särgewagen in knalligen Farben und ungewöhnlichen Designs an. Dieser Wandel spiegelt eine veränderte Einstellung zu Beerdigungen wider: Immer mehr Menschen entscheiden sich für persönlichere und weniger traditionelle Abschiede.

Das deutsche Unternehmen Trauerhilfe Göck macht seit seiner Gründung 2013 mit himmelblauen Leichenwagen auf sich aufmerksam. Firmengründer Tobias Göck setzte von Anfang an auf einen himmelblauen Mercedes W211 – eine Farbe, die besonders bei jüngeren Kunden gut ankommt, die gezielt nach den Diensten des Unternehmens fragen.

In Österreich hat sich Bestattung Himmelblau seit 2012 zum größten privaten Bestatter des Landes entwickelt. Die Flotte umfasst rund 30 Fahrzeuge, von Peugeot Boxer- und Mercedes-Benz Sprinter-Leichenwagen bis hin zu einem Fiat 500, der für mobile Trauerberatung genutzt wird. Der Name des Unternehmens – sinngemäß "himmelblaue Bestattung" – unterstreicht den Bruch mit der klassischen schwarzen Farbgebung.

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Doch der Trend geht über einfarbige Designs hinaus: Das britische Unternehmen Green's Carriage Masters bietet Leichenwagen in Regenbogenmustern, Leopardenprint oder sogar in Pink an, die von Bestattungsinstituten für Trauerfeiern gemietet werden können. Der niederländische Anbieter Uitvaart Store in Rotterdam hingegen setzt auf Cadillac-Modelle in Dunkelblau, Roségold oder Rot – neben klassischen Oldtimer-Varianten.

Christian Jäger, Geschäftsführer des Bestatterverbandes Nordrhein-Westfalen, beobachtet, dass die Gesellschaft bunte Bestattungsfahrzeuge zunehmend akzeptiert. Blau bleibt zwar die beliebteste Alternative zu Schwarz, doch auch Rot, Gold und magentafarbenes Metallic sind gefragt. Zudem gewinnen zweifarbige Designs an Popularität.

Trotz aller kreativen Freiheit müssen alle Bestattungsfahrzeuge strenge DIN-Normen erfüllen, die Ausstattung, Hygiene, Bauweise und Ladungssicherung regeln. Spezialisierte Hersteller bieten maßgefertigte Modelle, vorkonfigurierte Fahrzeuge oder Umbauten an, um sowohl die Vorschriften einzuhalten als auch Individualität zu ermöglichen.

Der Aufstieg bunter Leichenwagen zeigt deutlich den Trend zu persönlicheren Abschieden. Unternehmen wie Vos Uitvaart in den Niederlanden oder andere europäische Anbieter haben mittlerweile alles im Programm – von grell lackierten Cadillacs bis zu klassischen Citroën-Bestattungswagen. Trotz aller Modernisierung bleibt die Branche durch strenge Standards geprägt und verbindet so Tradition mit dem Wunsch nach individueller Trauerkultur.

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